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Hochmann, Siegmund

Nachname: Hochmann
Vorname(n): Siegmund
Geburtstag: 13.10.1884
Geburtsort: Rozniatow/Galizien (heute Rozhniativ/Ukraine)
Wohnort(e): Galizien; 
Duisburg; 
Wilhelmstraße 17, Weidenau; 
Giersbergstraße 26, Siegen; 
Kornmarkt 4, Siegen; 
Poststraße 16, Siegen (heute Alte Poststraße)
Beruf(e): Kaufmann
Religion: jüdisch
Fluchtziel(e): nicht geflohen
Deportationsdatum: 28.04.1942
Haftort(e): Zamosc
Todesdatum: unbekannt
Todesort: unbekannt
Biografie:  Siegmund Hochmann heiratete 1908 in Galizien Mathilde Spiegel. Er wurde Soldat im Ersten Weltkrieg und kämpfte auf der Seite von Österreich/Ungarn. Nach Ende des Krieges zogen sie nach Duisburg und später nach Siegen, wo Schwager Saul Hausmann mit seinem Bruder Isidor Hausmann ein Schuhwaren- und Konfektionsgeschäft am Marburger Tor 24 betrieb. Hochmanns wohnten anfangs in Weidenau, in der Wilhelmstraße 17, später in der Giersbergstraße 26, ehe sie 1929 nach Siegen, Kornmarkt 4, verzogen. Grund für den Umzug war die kürzere Entfernung zu ihrem Schuhgeschäft am Marburger Tor 35.
 
Dem Ehepaar wurden die drei Kinder Fanny (geb. 1920), Betty (geb. 1922) und Jacob (geb. 1924) geboren. Die Hochmanns waren religiös; sie besuchten die Synagoge am Freitagabend und Samstagmorgen. Tochter Fanny erinnert sich, dass ihnen ein Nachbar während der Heizperiode am Samstag (Shabbat) regelmäßig morgens den Ofen anzündete. Die Eltern gaben 1930 den Schuhladen auf und eröffneten in der Löhrstraße 1 eine Leinen- und Wäschevertretung. Sie zogen 1935 zu Schwager und Schwägerin Saul und Fanny Hausmann in die Poststraße 16. Das Geschäft wurde 1936 „arisiert“ und Siegmund Hochmann konnte nur noch als ambulanter Wäschevertreter tätig sein. Im November 1938 wurde ihm der Gewerbeschein durch die Behörde entzogen. Er arbeitete danach als Hilfsarbeiter in einem Sägewerk in Dreis-Tiefenbach.
 
Die beiden Töchter hatten an einem Vorbereitungslehrgang (Hachscharah) für die Übersiedlung in Urfeld nach Palästina teilgenommen. Die 15-jährige Betty verließ, ausgebürgert, gegen den Willen des Vaters am 28. Februar 1938 Siegen und kam mit dem Schiff „Galiläa“ eine Woche später in Haifa an. Fanny arbeitete im Büro der Gebrüder Herrmann. Sie erlebte den Synagogenbrand in Siegen. Ihr Versuch, die Torarollen zu retten, scheiterte. Bruder Jacob konnte im Februar 1939 nach Palästina flüchten, Fanny bekam keine Ausreisegenehmigung mehr. Sie floh 1939 nach Holland. Dort arbeitete sie in der Landwirtschaft und lernte Manfred Reinhold kennen, der aus dem Raum Paderborn nach Holland geflohen war. Beide heirateten. Dem Ehepaar wurde 1942 ein Sohn geboren. Eine holländische Widerstandsgruppe versteckte die Familie in einem Schornstein einer stillgelegten Fabrik bei Terwolde. 1947 gelang der Familie die Auswanderung nach Palästina. In Israel wurden dem Ehepaar zwei weitere Kinder geboren. Fanny lebte mit ihrer Familie in Avigdor, sie starb 2015. Ihre Schwester Betty, sie starb ebenfalls 2015, lebte mit Ehemann Seev Holz in Rishpon. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor, die heute noch alle in Israel leben. Bruder Jacob Hochmann starb bereits 1999 in Israel. Auch er hatte dort eine Familie gegründet, die mit drei Kindern gesegnet war
 
Ihre Eltern wurden am 28. April 1942 mit dem ersten Deportationszug von Siegen über Dortmund nach Zamosc deportiert. Dort verliert sich ihre Spur.
 
Klaus Dietermann, 2016
Fotoquelle: Archiv AMS
Quellenangabe: GB BA Berlin; Thiemann, Walter: Von den Juden im Siegerland, Siegen 1968; Dietermann, Klaus: Jüdisches Leben in Stadt und Land Siegen, Siegen 1998; Piorr, Ralf (Hg): Ohne Rückkehr, Essen 2012, S. 79; Mageen Nathan: Zwischen Abend und Morgenrot. Eine Geschichte aus dem holländischen Widerstand, Düsseldorf 2005, S. 82ff
Verlegedatum Stolperstein: 19.05.2011
Verlegeort Stolperstein: Alte Poststraße 16, Siegen
Mathilde, Jacob, Betty, Fanny, Siegmund 1937/1938

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